>> Lawinenschutz in Skigebieten

Lawinen sind Naturprozesse, die von vielen miteinander vernetzten Faktoren ausgelöst und beeinflußt werden. Bestimmte Indizien wie Neuschneezuwachs, Bewindung, Temperaturverlauf u.a. geben zwar Hinweise auf eine mögliche Gefährdung, das Restrisiko bleibt jedoch immer groß. Zahlreiche Beinahe-Unfälle lassen die verantwortlichen Lawinenkommissionsmitglieder, Betriebsleiter, Pistenchefs etc. immer am Rande des Strafrechts balancieren. Seit nunmehr 19 Jahren ist der sogenannte ,Lawinenerlaß" unverändert in Kraft. Er soll quasi von ,amtlicher Seite" her die Lawinensicherheit in Skigebieten gewährleisten. Hilft nun dieser Lawinenerlaß den Verantwortlichen oder beruhigt er nur die Behördenvertreter im Sinne ,Wir haben das Möglichste für die Sicherheit getan, ....."?

Der Ermessensspielraum der Amtssachverständigen für Wildbach- und Lawinenverbauung im Hinblick auf die Lawinensicherheit ist im Gegensatz zur Seilbahntechnik beispielsweise recht hoch. Fassen wir zunächst zusammen, was im Lawinenerlaß rechtsverbindlich vorgeschrieben wird :

xx Die Anlage (Seilbahn, Sesselbahn, etc.) selbst inklusive Ein- und Ausstiegsbereich muß permanent lawinensicher sein.

Eine permanent lawinensichere Abfahrt muß vorhanden sein.

Diese Abfahrt muß der Kapazität der Anlage entsprechen.

Permanent lawinensicher heißt, daß das freie Gelände oberhalb der Anlage bzw. der zu sichernden Skipiste nicht mehr als 60% geneigt ist. Bei größeren Neigungen sind Stützverbauungen der Anbruchgebiete (Stahl- oder Holzstützwerke, Netzverbauungen), Ablenk- oder Auffangdämme vorzusehen. Sprengseilbahnen gelten nur als temporärer Lawinenschutz und sind gemäß dem Lawinenerlaß nicht geeignet, die Seilförderanlage bzw. die geforderte lawinensichere Abfahrt entsprechend zu sichern.


Ein neues Gutachten

Eine 1993 von Dragosits verfaßte Expertise hat den fachlichen Hintergrund des Lawinenerlasses weiter untermauert : Der hohen Sicherheitserwartung der Stützverbauung von über 90% stehen einige Nachteile gegenüber, die jedoch bei ordnungsgemäßer Verbauung nicht zum Tragen kommen :
xx Die Gefahr von Oberschneelawinen beim bzw. nach einem Überschneien der Werke kann minimiert werden, wenn die Werke den möglichen maximalen Schneehöhen gemäß ausreichend hoch dimensioniert werden.

Lawinen innerhalb der Verbauung brechen vor allem dann, wenn die Verbauung nicht richtliniengemäß ausgeführt wurde. Enge Werkabstände, Gitterauflagen und eine konsequente Verbauung des gesamten Anbruchgebietes reduzieren diese Gefahr weitgehend.

Lawinen, Schneerutsche oder Schneebretter aus unverbauten Hangstücken zwischen Verbauung und Piste können vermieden werden, wenn die Verbauung so weit nach unten ausgedehnt wird, daß diese Gefährdung nicht mehr besteht. Das bedeutet, daß Hänge, die bis zum bergseitigen Pistenrand über 60% geneigt sind, bis knapp oberhalb der Piste mit Lawinenverbauungen zu sichern wären. Entsprechend der Lehrmeinung des ,Eidgenössischen Institutes für Schnee- und Lawinenforschung" erreichen bestimmte Lawinen ihre maximale Geschwindigkeit bereits nach einer Wegstrecke, die der 20-fachen Anbruchmächtigkeit entspricht. Das sind bei 1m Anbruchhöhe etwa 20m schräge Hanglänge !

Laut Dragosits weisen Sprengseilbahnen ein wesentlich größeres, nicht weiter minimierbares Risiko auf. Dabei werden folgende Gründe angeführt :

Nicht 100%-ige Auslöseerfolge (durchschnittliche Erfolgsquote ca. 79%),

mögliche Selbstauslöser,

nicht abschätzbare Auslauflängen der durch Sprengung ausgelösten Lawinen,

Mitauslösung von Lawinen in benachbarten Fremdgebieten,

menschliche Fehlbarkeit bei der Auslösung.

Die Lawinenschutzwirkung der Stützverbauung ist graduell gesehen mindestens doppelt so groß, wie die der Sprengseilbahn., resümiert Dragosits.

Die tatsächliche Lawinensicherheit durch Stützverbauungen

In den eisenbahnrechtlichen Bewilligungsverfahren der Anlagen wurden und werden österreichweit Amtssachverständige des Forsttechnischen Dienstes für Wildbach- und Lawinenverbauung herangezogen, um die Lawinensicherheit zu beurteilen. Diese legen meist Art und Größe der Verbauung ihrem eigenen Ermessen entsprechend vor Ort fest; gelegentlich werden Projekte verlangt. Ausdehnung und oft auch Art der Verbauungen werden selten so umfassend vorgeschrieben, wie sie laut Gutachten von Dragosits sein sollte.

Die Ausführung der Lawinenverbauungen (Werkhöhe, Werkabstände innerhalb der Verbauung, Fundierung, etc.) erfolgt zwar großteils gemäß den ,Schweizer Richtlinien für den permanenten Stützverbau" (Eislf 1990), die Ausdehnung der Lawinenverbauungsbereiche, (seitlich und nach unten) bleibt aber Ermessenssache.

Außerdem halten sich Lawinen sowieso nicht an von Menschen vorgegebenen Normen und Gesetzmäßigkeiten. Denn der Grenzbereich der Verbauungswürdigkeit von 60% wurde zwar bereits in der ersten Fassung der ,Schweizer Richtlinien ..." festgeschrieben, allerdings sind auch Lawinenabgänge aus wesentlich flacheren Bereichen bekannt. Auf der Halbinsel Kola (Weißrußland) wurde eine Lawine beobachtet, die bei einer Hangneigung von 2% abging, in den Alpen sind Lawinenabgänge bei 30% dokumentiert.

Wären die Verbauungsflächen so umfassend, wie für die im Dragosits-Gutachten angegebenen Sicherheiten erforderlich, würden in den Skigebieten bereits riesige stahl-, drahtseilgeflecht- oder holzverbaute Hänge das Landschaftsbild prägen. Und trotzdem könnten aus nicht verbauten Hangbereichen unter 60% in Extremfällen Lawinen anbrechen.

Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis wird auch durch die lapidare Feststellung von Dragosits untermauert : ,Dem Verfasser ist keine wirklich richtliniengemäße Verbauung der Seilbahnwirtschaft bekannt, welche den strengen Kriterien eines Permanentschutzes entsprechen."


90% Sicherheit nur Theorie

Demzufolge entspricht die über 90%-ige Sicherheit von Stützverbauungen nicht der Realität in Skigebieten. Der Verantwortliche im Skigebiet muß sich fragen, wie er nun die tatsächliche Sicherheit der als Kompromiß zwischen Geschäftsführung und Amtssachverständigen entstandenen Stützverbauung einschätzt. Und ob für den Praktiker vor Ort (zumeist Betriebsleiter) eine gut funktionierende Sprengseilbahn nicht besser ist als eine unzureichende Stützverbauung ?


Sanierung von Altanlagen

Problematisch wird die Anwendung des Lawinenerlasses speziell bei der Sanierung von Altanlagen, die vor 1975 errichtet wurden.

Im Zuge der Erneuerung der Bahn und somit der Konzession müßten alle diese Anlagen sowie eine Abfahrt dem Lawinenerlaß gerecht werden. Dies ist in manchen Fällen - man denke nur an die Seegrube bei Innsbruck - gar nicht möglich. Für solche Gebiete wird an eine Optimierung des Lawinenschutzes mit Hilfe temporärer Maßnahmen, festgelegt im Rahmen einer Risikoanalyse, gedacht.


Die Anlage der lawinensicheren Abfahrt

Sehr oft sind die errichteten ,permanent lawinensicheren Abfahrten" Alibiabfahrten, die aufgrund ihrer Trassenführung von den Skifahrern kaum angenommen werden (unattraktive Strecken, z.T. abgeblasen etc). Beurteilung und Freigabe der wesentlichen Abfahrten derartiger Anlagen obliegen somit weiterhin den Verantwortlichen für die Lawinensicherheit. Die Sicherung dieser zusätzlichen Abfahrten erfolgt natürlich mittels temporärer Lawinenschutzmaßnahmen (Sprengseilbahnen, Handsprengungen bzw. jüngst Gassprenganlagen).

Dragosits schreibt hierzu : ,Immer wieder hilft sich die Lawinenkommission, indem sie die nicht ständig lawinensicheren Abfahrten sperrt und die Übertretung der Absperrung nicht verhindert".

Passiert schließlich bei derartigen Situationen ein Lawinenunglück, ist es ein schwacher Trost der Amtssachverständigen, daß die lawinensichere Abfahrt nicht betroffen wurde. Wiederum liegt der ,Schwarze Peter" bei den für die Lawinensicherheit Verantwortlichen im Skigebiet, die bei derartigen Fällen die Skifahrer über unattraktive Pisten hinunterzwingen müssen oder ein erhöhtes Risiko in Kauf nehmen, weil die Geschäftsführung ein Sperren der Anlage unter dem Motto ,es gibt ja eh´ die permanent lawinensichere Abfahrt" nur schwer akzeptieren würde.


Neue Entwicklungen

Im Vorjahr hat ein regelrechter Boom nach Gassprenganlagen eingesetzt. Die Sprengpunkte sind dabei im Gegensatz zu Sprengseilbahnen fix installiert, ausgelöst kann bei genügend Gasvorrat elektronisch mittels Funk aus der Entfernung werden. Vorbehaltlich der kurzen Beobachtungsreihe scheinen die Auslöseerfolge sehr erfolgversprechend. Einzig der Standort der Kanone inklusive Gasvorrat muß lawinensicher sein, der Zugang aufgrund der Fernauslösung nicht. Eine amtliche Äußerung, inwieweit derartige Lawinenschutzmaßnahmen im Sinne des Lawinenerlasses einzustufen wären, ist dem Autor dieses Artikels noch nicht bekannt.


Der bessere Weg

Unbestritten bleibt, daß Seilförderanlagen inklusive Ein- und Ausstiegsbereichen permanent lawinensicher sein müssen. Wobei allerdings sogar von Behördenseite bei ausreichend hoher Seilführung das Abgehen von Lawinen unter den Transportmitteln im freien Feld - wenngleich unter Vorschreibung aufwendiger und teurer Bergbahnen - akzeptiert wird. Bei den permanent lawinensicheren Abfahrten hat die 19-jährige Erfahrung gezeigt, daß die per Erlaß strengsten Sicherheitsmaßstäbe in der Praxis doch nur eine Beruhigung der Behördenvertreter ist. Weiters versuchen Geschäftsführungen von Seilbahnbetrieben zur Kostenreduktion die teuren Lawinenverbauungsflächen mit den Amtssachverständigen ,herunterzuverhandeln". Flächenmäßig unzureichende Stützverbauungen sind aber für die Verantwortlichen für die Lawinensicherheit in ihrer Beurteilung schwieriger als gut funktionsfähige temporäre Maßnahmen. Zudem schützen diese Maßnahmen nur eine oft nicht attraktive Abfahrt unter vielen.


Eine optimale Hilfestellung für die Verantwortlichen wäre eine ,Gesamtbeurteilung des Lawinenrisikos ganzer Skigebiete" unter Einbeziehung aller Pisten. Derartige Aktionspläne könnten in Zusammenarbeit mit den Sachverständigen und Spezialisten erstellt werden und durchaus ortsgerechte Kombinationen von permanenten und temporären Lawinenschutzmaßnahmen vorsehen.


Parallel dazu nützt die Sammlung intern gemessener und extern beschaffter Daten sowie deren Verknüpfung mit bestimmten Lawinenabgängen langfristig der Lawinenbeurteilung.


Den Verantwortlichen für die Lawinensicherheit kann ihre Verantwortung nicht abgenommen werden. Bei immer noch steigenden Besucherzahlen sollten sie wenigstens bestmöglich unterstützt werden. Jedoch meist flächenmäßig zu kleine Stützverbauungen oder andere permanente Lawinenschutzmaßnahmen für nur eine Abfahrt einer Anlage sind eine sehr schwache Unterstützung.


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